INFO ATEM

In kurzen Sätzen, was sich der Sänger über die Atmung unbedingt einprägen soll

1. Vermeide zunächst alle mechanisch-methodisch zu betreibende «Kunst des Atmens« (und die Literatur darüber), es sind meist widernatürliche Verordnungen.

2. Pumpe dich nicht voll mit Luft, wenn du Stimme geben willst, denn das macht den Atem nicht länger, und der Ton wird dadurch weder stärker noch tragfähiger.

3. Wer beim Singen gewohnheitsmäßig zu viel Luft faßt, sie festhält und zu horten sucht, bei dem wird schließlich früher oder später das Atmungsorgan geschwächt sein, und demzufolge auch seine Kehle.

4. Lerne unterscheiden: Die Tätigkeit des Atmungsorganes muß beim Singen zwar eine äußerst gründliche und intensive sein — der Atemverbrauch aber ein äußerst geringer. (»Ich atme zum Singen soviel ein, als ich an einer Blume rieche«: Matteo Battistini, einer der letzten großen Belcantisten.)

5. Atmungsorgan und Atem sind also zwei gut zu unterscheidende Dinge. Man muß eben nur wissen, daß die alte Anschauung: der Atem, der Druck des Atems sei die treibende Kraft bei der Stimmgebung, von der neueren wissenschaftlichen Forschung widerlegt wurde. Der Gesangsmechanismus ist kein Blasinstrument. Richtig sei vielmehr, »daß die Stimmlippen unabhängig vom Atemstrom schwingen können«. Wenn demnach Tone oder Phrasen mit dem bekannten Explosionsgeräusch enden, müssen sie falsch und unsängerisch produziert sein.

6. Vor allem: Atme ohne jede Absicht ein. Versuche zuallererst richtig anzuatmen, das einatmen erfolgt dann nach einem ganz gewissen Gesetz (»Tonische Atem- steuerung«, S. 58) mit ziemlicher Sicherheit automatisch richtig. Die Ausatmungs- bewegung ist beschrieben auf den Seiten 60—63.

7. Bedenke auch, daß bis zu einem hohen Grad allein schon eine gut funktionierende Kehle die Atmung reguliert und trainiert, der Ton muß also nur gut »angesetzt« sein. (S. »Ansatz«, S. 99.)

8. Stumme Atemübungen haben nur einen beschränkten Wert, verliere nicht allzuviel Zeit damit.

9. Eine Singatmung, die den Körper mit der Zeit verunstaltet, statt seine Form zu verbessern, muß unbedingt falsch sein (z.B. chronisch vorgewölbter Leib, eine Knickung im Rücken).

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