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Schädigende und fördernde Einflüsse auf die Stimme.

Die menschliche Stimme ist das einzige Musikinstrument, das wie sein Träger dauernd in Aktion bleibt, ob es nun zum Singen benutzt wird oder nicht. Von der anatomischen Lage her befindet sich das Stimmorgan, das im menschlichen Kehlkopf liegt, im Bereich der oberen Luftwege. Dadurch kann der Kehlkopf in ganz besonderer Weise durch die Atmung beeinflußt oder geschädigt werden. Um die oberen Luftwege weitgehend zu schonen, sind Filterorgane vorgeschaltet. Diese Aufgabe übernimmt insbesondere die Nase mit ihren weiten Schleimhautbuchten. Hier wird die Atemluft von ihren Schadstoffpartikeln, die sich auf der Nasenschleimhaut niederge- schlagen haben, gereinigt, und diese werden durch den dort produzierten Schleim ausgeschneuzt. Außerdem feuchtet die Nase die Atemluft an und sättigt sie bis zu 8; Prozent mit Wasserdampf, so daß die nachgeschalteten Schleim- hautregionen des Rachens, des Kehlkopfes, der Luftröhre und der Lunge nicht austrocknen. Bei dieser Sättigung mit Wasserdampf wird die Einatmungsluft auch auf die Körpertemperatur angewärmt, so daß die nachge- schalteten Schleimhautbezirke nur mit auf Körpertemperatur erwärmter Atemluft in Kontakt kommen. Jede Veränderung dieser natürlichen Mechanismen kann daher zu einer Schleimhautschädigung im Bereich der oberen Luftwege und damit zu einer Schädigung der Stimme führen. Ganz besonders möchte ich hier auf die schädigende Wirkung des Rauchens hinweisen. Aus meiner Praxis als hauptsächlich laryngologisch tätiger Phoniater kann ich bestätigen, daß das Stimmorgan des Rauchers, ohne daß er sich krank fühlte oder eine stimmliche Veränderung bemerkte, dauernd in einem chronischen Reizzustand gehalten wird und dadurch empfindlicher gegenüber Erkältungskrankheiten und Infektionen ist. Auch abgasgeschwängerte Luft, Dämpfe und Staub können das Stimmorgan schädigen.

Nun ist aber dieses Organ nicht nur von außen beeinflußbar, sondern genauso von innen. Durch die Lage des Stimmorgans, das räumlich gesehen unterhalb des Mund- und Nasenrachens liegt, ist eine Beeinflussung durch entzündliche Prozesse im Nasen- und im Mundbereich immer wieder nachweisbar. Hierbei möchte ich an erster Stelle auf die Nasennebenhöhlenentzündung hinweisen, die meistens mit Schnupfen und zum Teil mit Druckgefühl und Kopfschmerz einhergeht. Eitriges Sekret, das sich aus den Nasennebenhöhlen ergießt, fließt den Rachen hinab und führt zu einer chronischen Reizung im Bereich der Rachen- und Kehlkopfschleimhäute; ähnlich verhält es sich bei einer Mandelentzündung. Veränderungen im Bereich des Nasenrachens, wien sie hyperplastische Rachenmandeln — im Volksmund Polypen genannt — darstellen, führen dazu,daß die Nasenluftpassage anhaltend behindert wird, so daß die Atemluft nicht mehr vollständig angewärmt und mit Wasserdampf gesättigt werden kann.

Außerdem gelangt die Atemluft ohne die Filterwirkung der Nasenschleimhäute in den Bereich der Rachen- und Kehlkopfschleimhäute und führt wiederum zu einer chro- nischen Reizung. Neben dieseneher vordergründigen Reizungen der Stimmlippenschleimhäute kann eine Reizung des Stimmorgans und der Stimme durch eine allgemeine Schwächung des Körpers hervorgerufen werden. Das Stimmorgan reagiert auf Abgespanntheit des Körpers seiner- seits mit Ermüdung und Erschlaffung, was sich stimmlich als Unfähigkeit zum Hochsingen sowie als leichte Stimmermüdung mit Kratzen und Beigeräuschen bemerkbar macht.

Auch seelische Belastungen können sich auf die Stimme auswirken, wie die Redewendung «es hat mir die Stimme verschlagen» beweist. Wichtig ist,daß man seine Stimme nicht belastet, wenn sie nicht voll einsatzfähig ist. Durch eine Überbelastung der Stimme in einem akuten Reizzustand kann es zu manchmal irreparablen oder nur durch eine Opera- tion behebbaren Veränderungen am Stimmorgan kommen, so daß man auf alle Fälle bei Indisposition eine Stimmschonung empfehlen sollte. Wird eine Stimme von einer Heiserkeit ergriffen, die mehr als drei Tage anhält, so sollte der Sänger einen Arzt aufsuchen. Ist die Stimme länger als drei Wochen heiser und nicht einsatzfähig, sollte ein Facharzt aufgesucht werden, der eine Funktionsuntersuchung des Stimmorgans durchführt. Die bisher aufgeführten Beeinflussungen des Stimmorgans durch Umwelt- oder Eigen körperreize liegen alle eigentlich nicht in der Möglichkeit der Beeinflussung von uns selbst. Trotzdem können wir die Stimme gut oder schlecht beeinflussen. Das menschliche Stimmorgan ist ein muskuläres Organ, das einem Trainingseffekt unterliegt. Durch richti- ges Benutzen der Stimme kann das Stimmorgan an Größe und Kraft zunehmen, wohingegen bei falscher Benutzung es mit starken funktionellen Störungen, die mit Heiserkeit und völliger Singunfähigkeit einhergehen, reagieren kann. Ein nicht trainiertes Stimmorgan kann keine Höchstleistungen vollbringen, und Singen ist für das Stimmorgan immer eine Höchstleistung. Ein nicht trainierter Atemkörper kann ebensowenig zu stimmlichen Höchstleistungen herangezogen werden. Vorstimmlichen Belastungen, wie sie eine Gesangstunde oder ein Konzert darstellen, muß daher unbedingtein Training der Atmung und der Stimmfunktionen durch ein sinnvolles Einsingen vorgenommen werden. Es sind spezielle Übungen nötig, die die ver- schiedenen Funktionen der Stimme lockern. Nur so wird man vermeiden können, daß die Stimme bei der sehr großen Belastung einer Gesangstunde oder eines Konzertes Schaden leidet.

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